Uebertreibung

Hoffentlich seid ihr alle gut reingerutscht! Kleiner Rückblick. Möge uns doch in 2019 weniger Übertreibung und Selbstbetrug begegnen.

Das wäre schon eine gute Sache. Der Trump-Vergleich hinkt natürlich, weil bei Ihm ist alles eh „Great Success“. Wenig lesen, viel twittern. Gefährlich, wenn es einem nur um sich selbst geht. Egal, was man macht, es muss vor allem seinen eigenen Interessen dienen. Weg da, jetzt komm‘ ich! Und wenn das von „oben“ kommt, dann liefert es eine treffende Vorlage für mich und jeden selbst, im ganz negativen Sinne. In so einem Klima machen viele eigene Anleihen. Wie zum Beispiel Frau Kipping, welche für den Hambacher Forst feststellt, dass dort 12.000 Jahre alte Bäume dran glauben müssen, obwohl die ältesten Bäume in Deutschland nur 1200 Jahre alt sind und wo ganz anders wachsen. Das mag ein Kommafehler sein, aber zeigt doch an zwei extrem unterschiedlichen Beispielen, wie wenig wir an der Wahrheit noch interessiert sind. Die Meldung an sich soll einfach nur seine bloße Wirkung entfalten.

Und dabei haben wir keine Scham mehr. Der Brite will die Ehe mit Europa aufkündigen, bei der Scheidung aber alles kriegen. Und alle anderen haben Schuld, wenn’s ohne Ehevertrag abgeht. Auch, dass man eine Insel ist und kein vernünftiges Essen kochen kann. Und, dass es dauernd regnet. In Italien stürzen die Brücken ein, aber Schuld hat natürlich die EU und vor allem die Deutschen. Selber irgendwas falsch gemacht? Fehlanzeige! Derweilen sind wir ein ganzes Stück mit uns selbst beschäftigt. In Oldenburg fuhren an einem Tag, als dort die Diesel-Grenzwerte überschritten wurden, die wenigsten Autos. Die Messstellen an den innerstädtischen Stadtkreuzungen künden von deutscher Gründlichkeit, aber nicht vom wahren Leben. Und das Thema ist zum Reizthema geworden. Kaum mehr möglich, in so eine Diskussion einzusteigen, ohne sich einen Sturm der Entrüstung zuzuziehen. Da macht es keinen Spass mehr, wirkliche Argumente anzubringen. Und die meisten Leute halten sich deshalb raus. Schade eigentlich.

Am meisten ärgert mich, dass es aktuell nur noch darum geht, den „politischen Gegner“ zu „bekämpfen“, anstatt es darum geht, sich die Ursachen anzuschauen, warum dieser denn gewählt wird. Denn schließlich machen das die Leute ja nicht ohne Grund! Anstatt dessen verfangen sich derzeit die politischen Lager darin, sich gegenseitig „Themen“ wegnehmen zu wollen, ohne sie wirklich anzupacken. Und es schiebt bisweilen auch Kuriositäten. Lehrer dürfen nicht nur keine eigene Meinung mehr haben, sondern auch keine Bilder von Nackten aus dem Barock zeigen. Glaube, die Gefahr dabei ist, dass wir uns dabei unsere in den letzten Jahrzehnten gewonnene Freiheit eher in Frage stellen. Aber die sollte doch noch ein ganzes Stück weitertragen! Nicht verwunderlich, dass von den „Jungen“ kaum noch jemand die Namen unserer Minister kennt. Mir geht es aber ähnlich. Früher war das anders. Heute ist Gerd Müller eher der Fußballer, aber nicht der Minister für „wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. Wir alle sind also nicht besser engagiert, können nicht alle Inkompetenz den da „oben“ anlasten, in dem wir uns nur aufregen. Sondern haben Nachholebedarf, wenn wir wirklich mitreden wollen!

Und da ist es eher ein Nebenschauplatz im „Boulevard“ gewesen, dass ein Özil nicht auf seine schwache fußballerische Leistung eingeht, sondern auf den Rassismus im DFB hinweist. Vergeudete Lebenszeit, sich sowas anzulesen. Weil es eben auch total schwierig geworden ist, wenn es um verschiedene Nationalitäten geht. Die Migrationsdebatte hat in den Medien und bei uns allen verbrannte Erde hinterlassen. Da mag ich auch nicht mehr so richtig kommentieren. Kann es aber nicht lassen, auf den ganz einfachen Unterschied hinzuweisen, der zwischen radikalen Messerstechern und Hilfesuchenden besteht. Für meinen Teil wird zu wenig wirklich argumentiert, zuviel diffamiert. So viele heiße Debatten, die Stimmungsmache haben wir uns selbst heraufbeschworen. Weil wir nicht die Nachheizzeit von Kaffeemaschinen regulieren sollten, anstatt uns um wirkliche Toleranz und Weitsicht für unser Land zu kümmern. Egal, ob man 20, 40 oder 60 Jahre alt ist, ins Chaos steuern will schließlich niemand.

Ich würde mir deshalb für 2019 wünschen, dass wir endlich wieder mehr auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Weniger lauthals rausschreien, uns selbst ein Stück zurücknehmen und den Nächsten respektieren. Und sei es auch nur der vorhergehende Kommentar im Social-Irgendwas-Book im Web…

Euer Knu.

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