Der Kevin

Also, in der Debatte zurückhalten, dem bin ich die letzten Jahre gefolgt und das aus gutem Grund.

Gerade so ein Thema wie die drastischen Mietsteigerungen in einer ganzen Anzahl von großen Städten bei uns, das löst man wohl nicht am Stammtisch. OK, eine Meinung darf man trotzdem haben.

Und der Kevin macht seine Äußerungen sicher auch nicht ohne Grund. Wem er damit vor den nächsten Wahlen einen Gefallen tut, naja. Die generelle Aussage finde ich schon etwas krass, denn wenn man keinen Wohnraum mehr erwerben soll, den man nicht selbst bewohnt, dann zieht das einfach weite Kreise. Das trifft dann nicht nur die anvisierten Spekulanten, sondern Unternehmertum im allgemeinen und am Ende auch alles, was über meinen täglichen Bedarf hinaus geht, wahlweise das Motorrad neben dem Auto, das Urlaubsgrundstück, die Münzsammlung, den Gartenteich. Ja, ich übertreibe.

Aber da muss ich echt passen. Und muss aufpassen, dass sich das Ganze nicht im Kontext „Was, Du fährst noch Benziner-Auto, hast einen Holzkohlegrill und kaufst Gurken ohne Biosiegel?“ einordnet. Das ist zwar ein anderes Thema, hat aber auch damit zu tun, dass wir heutzutage super schnell im Aufstellen neuer Regeln sind.

Regeln, die mitunter Schnellschuss sind und nicht wirken. Nicht, dass ich Fan von großen Konzernen oder Wohnungsbaugesellschaften wäre, aber wenn man schon die Enteignungskeule schwingt, dann muss man sich auch die Frage nach dem Wert von privatem Eigentum gefallen lassen und sich eindeutig abgrenzen.

Und um noch ein bisschen zu provozieren: Wo es sowohl Zuzug in die Großstädte gibt, als auch Leute, die dort immer schon gewohnt haben und deren Mietsituation immer schlechter wird, gibt es aber auch die Bevölkerung auf dem Land noch. Kaum einer, der da Gesetzgebung fordert und auf die Straße geht, um wieder genug Anbindung an die Bahn, ordentliche Infrastruktur und die vielen geschlossenen Geschäfte in den Kleinstädten zurückzufordern. Als Landbewohner wünsche ich mir da ein bisschen andere Diskussion, denn schließlich sollte Lebensqualität ja nicht nur ein Vorrecht der in den Großstädten Lebenden sein…

Uebertreibung

Hoffentlich seid ihr alle gut reingerutscht! Kleiner Rückblick. Möge uns doch in 2019 weniger Übertreibung und Selbstbetrug begegnen.

Das wäre schon eine gute Sache. Der Trump-Vergleich hinkt natürlich, weil bei Ihm ist alles eh „Great Success“. Wenig lesen, viel twittern. Gefährlich, wenn es einem nur um sich selbst geht. Egal, was man macht, es muss vor allem seinen eigenen Interessen dienen. Weg da, jetzt komm‘ ich! Und wenn das von „oben“ kommt, dann liefert es eine treffende Vorlage für mich und jeden selbst, im ganz negativen Sinne. In so einem Klima machen viele eigene Anleihen. Wie zum Beispiel Frau Kipping, welche für den Hambacher Forst feststellt, dass dort 12.000 Jahre alte Bäume dran glauben müssen, obwohl die ältesten Bäume in Deutschland nur 1200 Jahre alt sind und wo ganz anders wachsen. Das mag ein Kommafehler sein, aber zeigt doch an zwei extrem unterschiedlichen Beispielen, wie wenig wir an der Wahrheit noch interessiert sind. Die Meldung an sich soll einfach nur seine bloße Wirkung entfalten.

Und dabei haben wir keine Scham mehr. Der Brite will die Ehe mit Europa aufkündigen, bei der Scheidung aber alles kriegen. Und alle anderen haben Schuld, wenn’s ohne Ehevertrag abgeht. Auch, dass man eine Insel ist und kein vernünftiges Essen kochen kann. Und, dass es dauernd regnet. In Italien stürzen die Brücken ein, aber Schuld hat natürlich die EU und vor allem die Deutschen. Selber irgendwas falsch gemacht? Fehlanzeige! Derweilen sind wir ein ganzes Stück mit uns selbst beschäftigt. In Oldenburg fuhren an einem Tag, als dort die Diesel-Grenzwerte überschritten wurden, die wenigsten Autos. Die Messstellen an den innerstädtischen Stadtkreuzungen künden von deutscher Gründlichkeit, aber nicht vom wahren Leben. Und das Thema ist zum Reizthema geworden. Kaum mehr möglich, in so eine Diskussion einzusteigen, ohne sich einen Sturm der Entrüstung zuzuziehen. Da macht es keinen Spass mehr, wirkliche Argumente anzubringen. Und die meisten Leute halten sich deshalb raus. Schade eigentlich.

Am meisten ärgert mich, dass es aktuell nur noch darum geht, den „politischen Gegner“ zu „bekämpfen“, anstatt es darum geht, sich die Ursachen anzuschauen, warum dieser denn gewählt wird. Denn schließlich machen das die Leute ja nicht ohne Grund! Anstatt dessen verfangen sich derzeit die politischen Lager darin, sich gegenseitig „Themen“ wegnehmen zu wollen, ohne sie wirklich anzupacken. Und es schiebt bisweilen auch Kuriositäten. Lehrer dürfen nicht nur keine eigene Meinung mehr haben, sondern auch keine Bilder von Nackten aus dem Barock zeigen. Glaube, die Gefahr dabei ist, dass wir uns dabei unsere in den letzten Jahrzehnten gewonnene Freiheit eher in Frage stellen. Aber die sollte doch noch ein ganzes Stück weitertragen! Nicht verwunderlich, dass von den „Jungen“ kaum noch jemand die Namen unserer Minister kennt. Mir geht es aber ähnlich. Früher war das anders. Heute ist Gerd Müller eher der Fußballer, aber nicht der Minister für „wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. Wir alle sind also nicht besser engagiert, können nicht alle Inkompetenz den da „oben“ anlasten, in dem wir uns nur aufregen. Sondern haben Nachholebedarf, wenn wir wirklich mitreden wollen!

Und da ist es eher ein Nebenschauplatz im „Boulevard“ gewesen, dass ein Özil nicht auf seine schwache fußballerische Leistung eingeht, sondern auf den Rassismus im DFB hinweist. Vergeudete Lebenszeit, sich sowas anzulesen. Weil es eben auch total schwierig geworden ist, wenn es um verschiedene Nationalitäten geht. Die Migrationsdebatte hat in den Medien und bei uns allen verbrannte Erde hinterlassen. Da mag ich auch nicht mehr so richtig kommentieren. Kann es aber nicht lassen, auf den ganz einfachen Unterschied hinzuweisen, der zwischen radikalen Messerstechern und Hilfesuchenden besteht. Für meinen Teil wird zu wenig wirklich argumentiert, zuviel diffamiert. So viele heiße Debatten, die Stimmungsmache haben wir uns selbst heraufbeschworen. Weil wir nicht die Nachheizzeit von Kaffeemaschinen regulieren sollten, anstatt uns um wirkliche Toleranz und Weitsicht für unser Land zu kümmern. Egal, ob man 20, 40 oder 60 Jahre alt ist, ins Chaos steuern will schließlich niemand.

Ich würde mir deshalb für 2019 wünschen, dass wir endlich wieder mehr auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Weniger lauthals rausschreien, uns selbst ein Stück zurücknehmen und den Nächsten respektieren. Und sei es auch nur der vorhergehende Kommentar im Social-Irgendwas-Book im Web…

Euer Knu.

Eurokraten

Jetzt haben die Eurokraten also ihren Willen mit der
DSGVO-EU bekommen. Dabei möchte ich die Sinnhaftigkeit einer europäischen Vereinheitlichung nicht mal negieren. Ich finde es auch gut, dass meine Daten nicht unkontrolliert im Web fließen oder verkauft werden. Und beruflich kenn‘ ich das Thema auch. Nicht alles ist schlecht.

Kritik hab‘ ich aber, dass am Ende die Last nicht bei den Großen, die wohl die meisten Schäden bisher verursacht haben, sondern bei den Kleinen liegt. Kleine Gewerbetreibende haben wohl kaum mit „Big Data“ zu tun und müssen jetzt ohne wirkliche Datenschutzkompetenz mit umgekehrter Beweislast zurechtkommen. Und kaum jemand ist in der Lage, zich Seiten Verordnungstext ohne rechtliche Hilfe bis ins Letzte richtig zu interpretieren.

Das fast noch Schlimmere ist, dass wie bei Elektro- und Abfallgesetz Deutschland quasi schläft und die in den EU-Richtlinien absichtlich geschaffenen Spielräume nicht in der eigenen Gesetzgebung nutzt. Viele andere Länder machen das, gestalten für die eigene Nation aus und lassen ihre Bürger nicht im Unklaren. Hierzulande sollen es erst die ersten Entscheidungen der Judikative richten. Da frag ich mich, muss es denn erst sein, dass ein paar unbescholtene Seitenbetreiber hohe Strafen zahlen müssen (damit Referenzurteile da sind), oder kann man das nicht besser im Vorfeld und mehr im Sinne der Kleinen und Privaten lösen??

Als Seitenbetreiber ohne Gewinnerzielungsabsicht (Private Homepage) bin ich jetzt z.B. bei Vielem außen vor. Die Like-Button der Portale kann ich drin lassen. Aber schon, wenn ich einen Blog mit Kommentierungsfunktion habe, verarbeite ich selber Daten von meinen Besuchern. Da im Moment niemand richtig DSGVO-konform erklären kann, wie er mit seinen Besucherdaten umgeht (wenn es mehr als allgemeine Browserdaten sind), haben heute schon einige Blogs vorübergehend oder ganz geschlossen. Das hätte man mit mehr Eindeutigkeit und besserer Anleitung vermeiden können. Denn die kriege ich derzeit auch nicht wirklich von einer Kanzlei.

Das neue DSGVO überschreibt auch Teile vom (alten) KUG, was bisher für die Urheberschaft und Rechte bei der Fotografie zu beachten war. Denn Digitalfotos können auch Angaben über Ort und Zeit enthalten. Das tangiert dann auch die Facebook-Aufnahmen hier. Personen im öffentlichen Raum gelten nicht mehr als Beiwerk. Wenn sie identifizierbar sind, braucht es ein Einverständnis. OK, ein guter Schutz meiner Persönlichkeitsrechte.

Aber alles recht kompliziert, denn von einem Pressefotograf darf ich dazu nachwievor abgelichtet werden, obwohl der eine noch viel größere Reichweite als der Private hat. Denn „institutionelle“ Fotografie muss die Leutchen auf dem Weihnachtsumzug nicht fragen. Der Hobbyfotograf aber schon, was er in der Praxis natürlich nie bewerkstelligen wird. Klar braucht man diese Lücke, damit noch Printmedien gefüllt werden können, aber man sieht daran schon die Schwächen (oder Schwachsinn) am Gesetz.

Ich weiß jedenfalls derzeit nicht genau, ob ich mit meinen Erklärungen oder Aktivitäten auf meiner Website oder mit meinen Veröffentlichungen etwas falsch mache. Und das ist einfach ein untragbarer Zustand und einfach nur schlecht gemacht, meine Damen und Herren… 🙁

Euer Knu